Alpenbrevet Andermatt Schweiz 2007

Published On 16. August 2007 » 2021 Views» By Olaf » Rennen

Auf den Alpenbrevet habe ich mich nicht speziell vorbereitet, aber ich wollte mein – für mich – schlechtes Ergebnis vom Nürburgring zumindest für mich wieder „geraderücken“.

alpenbrevet_andermatt2007_5Am Start um 06:30 Uhr standen ca. 350 Teilnehmer der Challange – der Strecke über 266 km mit 6.700 Höhenmeter beim Alpenbrevet. Es war bedeckt und eine Minuten vor dem Start begann es dann leicht zu Regnen – ich habe noch schnell die Nalini Regenjacke angezogen, denn die ersten Kilometer beim Alpenbrevet ging es hinunter von 1.450 hm auf knapp 920 hm nach Wassen. In der Abfahrt direkt das erste Problem. Ich war mit der Lightweight Kombination aus Ventoux für vorne und Obermayer für hinten unterwegs. Der Hersteller war nicht in der Lage die zugehörigen Bremsgummis zu liefern (peinlich!) und so hatte ich die Campagnolo Carbon Bremsgummis drauf – die griffen aber gar nicht und auf der feuchten Strasse blockierten die Laufräder sofort und ich rutscht immer wieder über den Asphalt – ein absolutes Sicherheitsrisiko. Ich dachte schon ans aufhören, prüfte schon ob alles stabil war und fuhr dann doch weiter in der Hoffnung, dass es mit der Zeit besser wird.

Von Wassen geht es dann bei km 10 hinauf auf den Sustenpass, knapp 1.300 Höhenmeter später auf 2.220 hm erreicht man bei km 28 den Sustenpass. Schon nach 5 km im Aufstieg tat mir das linke Knie an der Pantella weh – ich hatte Beinlinge an, denn bei 7 Grad war es in der vorangegangenen Abfahrt doch etwas frisch. Die Schmerzen gaben sich aber nach weiteren 5 km. Ab ca. 1.700 hm hatten wir stärkeren Neben und hiermit verbundenen Regen, der auch in der kompletten Abfahrt vom Susten nach Innertkirchen (bei km 55) für dickste Probleme mit meinem Bremsen sorgte. Die Gruppe welche ich in der Steigung eingeholt hatte war wieder weg und hat über 10 Minuten auf mich gewartet, d.h. ich habe durch die schlechten Laufräder extrem Zeit liegen lassen, abgesehen von der Angst mich hinzulegen. Da Lightweight auch die O-Ringe nicht liefern konnte hatte ich viele Mitfahrer die das laute Knacken als Felgendefekt ansahen, obwohl nur das Ventil gegen das Carbon schlug – ein unschönes Lightweight Problem das mich weiter begleiten sollte.

alpenbrevet_andermatt2007_4Nun ging es beim Alpenbrevet den Grimselpass hinauf, 24 km und knapp 1.500 Höhenmeter hinauf auf 2.165 hm. Der Pass war gut zu fahren. Der Regen wurde weniger und es war nur noch bedeckt. Mit meiner 34er / 26er Kombination kam ich gut voran. Es war mit immer über 60 Umdrehungen noch ein lockerer Tritt. Alle anderen um mich herum hatten meistens vorne dreifach Blätter und hinten oft einen 29er Rettungsanker. Der Grimselpass ist auch landschaftlich schön, da keiner sprechen wollte, bzw. wohl eher konnte, hatte man ja Zeit sich umzuschauen. Die Abfahrt vom Grimsel nach Gletsch war wieder eine Katastrophe Dank der Lightweight, dann weiter nach Ulrichen ging es – denn hier war es grade und endlich konnte man auch feststellen, dass mit den richtigen Bremsgummis und O-Ringen die Lightweight traumhaft gewesen wären. Absolut spurtreu auch bei Seitenwind und sehr gut gefedert trotz 15 Bar in den Tufo Schlauchreifen.

Von Ulrichen ging es dann von 1.350 hm auf 2.478 hm den Nufenen hinauf. Der Pass ist mit seinen 13 km nicht lang, aber er hat es in sich. Ich war aber zufrieden, denn das Wetter wurde weiter besser und die Strasse auf der Abfahrt nach Airolo und weiter nach Biasca war trocken und die Sonne kam heraus. Die Tufos hatten nun mehr Haftung in der Abfahrt und somit blockierten die Lightweights weniger – es war nur noch ein Gefühl wie ein schlechtes ABS mit einer sehr rubbeligen Vor- und Zurückbewegung – also ein weiteres Lightweight Problem beim Alpenbrevet – auch wenn ich die vorgeschriebenen Stopper montiert hatte.

Vor Biasca beginnt der Lukmanierpass, der von 300 hm auf 1.972 hm hoch führt und das über 37 km mit immer wieder Stufen drin. Ich hatte aber gut gegessen und vor allem noch einmal Vitamin B zugeführt – das hat wohl geholfen die Muskeln gut mit den Kohlehydraten zu versorgen. Es ging sehr gut bergan. Einziges Hindernis waren immer wieder noch leicht rücksichtslose Autofahrer während des Alpenbrevet, die trotz Gegenverkehr noch überholen mussten. Die 16 km Abfahrt nach Disentis war wieder ein kleine Katastrophe mit den Lightweights, aber man bekommt ja Übung und dann war ich auch im Oberalppass – der hat nur 900 Höhenmeter und war in 21 km schnell abgehandelt. Die 11 km Abfahrt ins Ziel langsam um alle Kurven gerollt und schon war ich nach 12:02 Stunden im Ziel. Die zweite Hälfte bin ich deutlich besser gefahren, als in der ersten – je länger je besser also.

alpenbrevet_andermatt2007_1Die Verpflegung war sehr gut – es gab immer Boullion, Energieriegel, Gel, Bananen, Äpfel, Isodrink und verschiedene Brote sowie Käse. Die gesamte Organisation hat mir gefallen und das ich dann noch eine tolle, blaue, eng anliegende Regenjacke bekommen habe, war ein schöner Lohn für die Qual. Nur die Lightweights haben mich bestimmt 30 Minuten gekostet und jede Menge graue Haare in den Abfahrten. Im Ziel und an den Versorgungspunkten haben mich viele drauf angesprochen und sich wohl vom eigenen Kauf von Lightweight distanziert – schlecht für den Hersteller – da sollte man einfach mal an der Lieferpolitik arbeiten. Meine Lightweight Erfahrungen gingen auch in den folgenden Monaten nicht gut weiter, zumal die Reaktion vom Hersteller auf das Lightweight Problem unschön war.

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Ergebnis beim Alpenbrevet

266 km, 6.700 Höhenmeter, 5 Alpenpässe in 12:02:37 Stunden. Eine Platzierung gibt es bei diesem Brevet nicht, ich war aber 1:45 Stunden vor dem Zielschluss im Ziel und trotz 1.200 Höhenmetern und 30 km mehr als beim Ötztaler Radmarathon über eine Stunde schneller als dort im letzten Jahr. Eine Bergziege werde ich nicht, aber ich komme nun in den Hochalpen so langsam klar.

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... ist zugleich Musikproduzent, Rennradsportler auf langen Distanzen, begeisterter Hobbykoch, Grill-Enthusiast und Familienvater. Er begeistert sich zudem für viele Dinge rund um Musik, Essen, Wein, Holzhaus- und Blockhausbau sowie Online Marketing und eCommerce.

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