Schweizer Radmarathon: Wiedlisbach – Bodensee – Bern – 600 km

Published On 3. Juli 2007 » 1999 Views» By Olaf » Rennen

Beim Schweizer Radmarathon am 30.06.2007 bin ich in der 600 km Brevet Wertung gestartet, da ich ja die verpasste Paris-Brest-Paris Qualifikation noch erringen musste und dies die letzte Möglichkeit war. Ich hatte mich also kurzfristig angemeldet und es gab auch keine perfekte Planung, wie ich dies bei den anderen Rennen immer hatte. Von der Strecke wusste ich wenig.

radmarathon_schweiz07_1Am Vorabend zum Schweizer Radmarathon habe ich kurz vor Torschluss um 21:00 Uhr meine Startunterlagen abgeholt und mich dann auch die Suche nach einem Hotel gemacht. Dies hat leider längere Zeit in Anspruch genommen und nach dem Essen bei einem Italiener und dem vorbereiten der beiden Räder bin ich dann erst um nach 1:00 Uhr im Bett gewesen.

Um kurz nach 06:00 ging es dann wieder aus den Federn raus und nach einem Frühstück zum Startort. Hier musste jeder seine elektronische Startkarte auf ein Messgerät legen und hat somit seine Startzeit bestätigt. Es konnte zwischen 06:00 und 12:00 Uhr individuell gestartet werden. Ich bin um kurz nach 08:00 Uhr aufgebrochen, nachdem ich ein paar Minuten vorher meine Karte „durchgezogen“ hatte, ein Startfoto gemacht wurde, etc.

Nach wenigen Metern hatte ich mich bereits einem Starter angeschlossen, der auch fünf Tage zuvor schon bei Trondheim-Oslo gestartet war. Michael Dhom und ich kamen gut voran – dies aber vor allem dank meinem wunderbaren Begleitfahrzeug mit Karen am Steuer und dem hieraus resultierenden perfekten Service während des gesamten Schweizer Radmarathons. Michael hatte schon nach 10 km den ersten Platten, dann nach 40 km den zweiten und immer haben wir Hilfe vom Servicefahrzeug geordert. Bei km 20 hatten wir dann den ersten kleinen Pass (Hauenstein) schon bewältigt und bei km 53 den zweiten (Asphof). Als dann seine Schuhplatten bei der ersten Kontrolle bei km 97 in Koblenz auch noch locker waren, waren quasi sämtliche potentiellen Reparaturen getätigt. Trotz den kleinen Pannen kamen wir gut voran. Die Strecke führte über die Grenze nach Deutschland und bei gutem, leicht bedecktem Wetter entlang dem Rhein parallel zur Grenze weiter Richtung Ewattingen. Kurz hinter der Grenze dann bei km 110 begann der lange Anstieg nach Bonndorf im Schwarzwald. Entlang eines kleinen Flusslaufes ging es 34 km bergan auf eine Höhe von 866m. In dieser Steigung hat Michael mich dann abgehangen und wir haben uns im Kontrollpunkt Ewattingen wieder getroffen. Ich wollte noch nicht zu früh Kräfte lassen, was sich später ausgezahlt hat. Michael hat bei km 450 aufgeben müssen.

radmarathon_schweiz07_1aBei der Kontrolle in Ewattingen habe ich dann Simone Grosswiler getroffen, die Weltmeisterin der UMCA aus 2005 auf der Langdistanz. Wir sind die nächsten 120 km oft Rad an Rad gefahren. Direkt hinter Ewattingen kommt eine kurze, 6 km lange, schöne Abfahrt und dann folgt der Blumberg. Der Erbauer dieser Strasse hat sicherlich noch nie auf einem Fahrrad gesessen, so zumindest meine Gedanken. Die 200 Höhenmeter welche man in 6 km hinuntergefahren ist, darf man hier in 2 km wieder hoch fahren – knackige bis zu 16% Steigung. Ich habe nach dem Blumberg, bei km 180, auf mein Triathlonrad (Pinarello Montello) gewechselt – dies war nur dank des Begleitfahrzeugs möglich. Es folgen dann noch einige kleine Wellen und man erreicht, wieder in der Schweiz, den 3. Kontrollpunkt des Schweizer Radmarathon – Ramsen am Rhein.

Von hier an geht es über Kontrollpunkt 4 (Arbon) lange entlang dem Bodensee. Hier machte sich das Montello bezahlt, ich bin mit einem Schnitt von über 30 km/h am See gefahren. In Arbon habe ich dann wieder auf das normale Rad gewechselt. Es ging weiter nach Diepoldsau, wo kurz hiernach Österreich erreicht wurde. Hier habe ich eine Pause gemacht und mein Rad mit den notwendigen Lichtern für die Nacht ausgestattet. Nach 20 km durch Österreich erreichten wir Lichtenstein und über Vaduz ging es zurück in die Schweiz. Um 23:00 Uhr war ich dann an der 5. Kontrolle in Sarganz. Karen und mein Begleitfahrzeug sind hier zurückgeblieben und haben sich eine Auszeit gegönnt.

Nach einer Pause von knapp einer halben Stunde, einen dicken Teller Nudeln, ging es für mich durch die Nacht weiter über den Kerenzerberg nach Pfäffikon. In Pfäffikon habe ich dann wiederum ca. 20 Minuten pausiert, meine Beine vertreten und mich mit anderen Startern unterhalten. Etliche haben auch in Sargans und Pfäffikon geschlafen – was aber für mich nicht in Frage kam. In Pfäffikon habe ich dann auch die ersten 720 km RAAM Qualifikanten an der Kontrolle getroffen und mich mit Ihnen kurz ausgetauscht. Dies fahren nahezu alle mit einem dauerhaften Begleitfahrzeug, welches hinter Ihnen her fährt.

radmarathon_schweiz07_2Knapp 5 km nach der Kontrolle in Pfäffikon beginnt die Anfahrt zum Sattelpass, ein 17 km Anstieg, der oben allerdings wieder flacher wird und am Anfang zwei harte Rampen hat. Kurz vor dem Ende der zweiten Rampe in Schindellegi wurde ich kurz hintereinander von den beiden RAAM Qualifikanten überholt, die ich in der Kontrolle getroffen hatte. Ich bin also sehr gut den Berg hoch gekommen.

11 km nach der Kontrolle kam dann der Moment, der mich noch sehr lange verfolgen wird. Kurz nach dem vorgeschriebenen Wechsel auf den Radweg, sah ich kurz vor mir zwei PKWs mit Warnblinker auf der Strasse. Ein dritter PKW überholte mich noch vorher und blieb ebenfalls stehen. Vom Radweg sah ich dann ein zertrümmertes Fahrrad und einen Radfahrer quer auf der Strasse. Nach einer Konversation mit den Autofahrern, in der ich meine Hilfe anbot und einem Aufenthalt an der Unfallstelle bin ich weitergefahren, ohne Hilfe leisten zu können. Krankenwagen und Arzt kamen mir später entgegen, die Strasse hinter mir wurde für Stunden gesperrt und im Nachhinein musste ich erfahren, dass ein angetrunkener 19-jähriger Autofahrer diesen Radkollegen von mir (Frank Feuerberg an dessen 45-jährigem Geburtstag) angefahren und tödlich verletzt hat. Über den Sattelpass bin ich ob des Anblicks des Unfalles sehr langsam gefahren und habe die Grasnabe mehr befahren als die Strasse. Ich habe Radwege und Fusswege genutzt wo es nur ging und hierbei bestimmt mehr als zwei Stunden verloren – dies war aber nicht mehr wichtig. Ich weis mittlerweile, dass Frank der Freund von Simone Grosswiler war, mit der ich anfangs gefahren bin. Die Unfallstelle wird sicherlich für viele Teilnehmer in trauriger Erinnerung bleiben – ich war der Letzte den Frank überholt hat – wohl eine Minute vor dem Unfall.

Es ging für mich weiter durch die Nacht an Luzern vorbei nach Küssnacht. Ich habe hier oft gehalten und gewartet, dass es heller wurde. Die Kontrolle in Emmen habe ich dann im hellen erreicht, für die 69 km zwischen Pfäffikon und Emmen habe ich knapp 5 Stunden gebraucht, ob des Unfalls und seiner Folgen. Karen konnte auch nicht über den Pass fahren und wir haben uns dann erst in Affoltern bei der 8. Kontrolle wieder getroffen. Vorher musste ich aber noch zwei Berge erklimmen. Die Sonne brannte mittlerweile, so dass ich auch noch knackig braun wurde.

Von Affoltern geht es mit einer Zwischenkontrolle in Stettlen bei Bern zurück nach Wiedlisbach. Bis Stettlen war ich sehr langsam unterwegs, die letzten 46 km habe ich dann aber bei wunderbarem Wetter in weniger als 1:30 Stunden bewältigt. Mit der Gesamtzeit von 30:58 inkl. der Pausen bin ich zufrieden – die Zeit war nicht wichtig, die Tragik des Unfalls war für mich unfassbar und wird es noch lange bleiben. Ich habe die Qualifikation für Paris-Brest-Paris und damit ist mein Ziel erreicht. Ich war nach den 610 km noch fit, die Beine waren nicht müde und ich hatte auch in der Folge keine Schmerzen – das war für mich nach den 540 km von Trondheim – Oslo die 5 Tage vorher gefahren wurden ein sehr gutes Zeichen.

Die Organisation in der Schweiz ist top. Für die wenigen Fahrer wurde die Strecke top ausgeschildert, die Verpflegung war super und es gab nichts zu beanstanden. Ich selber habe mich in der Woche nach dem Rennen um alle möglichen Beleuchtungsoptionen für mich selber gekümmert, um nicht auch angefahren zu werden.

Im Ziel nach 610 km

Im Ziel nach 610 km

Ergebnis beim Schweizer Radmarathon 2007

610 km in 30:58 Stunden, keine Defekte aber einen großen menschlichen Schock durch den Tod des Starters Frank Feuerberg.

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... ist zugleich Musikproduzent, Rennradsportler auf langen Distanzen, begeisterter Hobbykoch, Grill-Enthusiast und Familienvater. Er begeistert sich zudem für viele Dinge rund um Musik, Essen, Wein, Holzhaus- und Blockhausbau sowie Online Marketing und eCommerce.

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