Doping im Radsport

Published On 30. Juni 2006 » 1471 Views» By Olaf » Meinung

Nachdem heute Vormittag über den Ticker lief, das man Jan Ullrich und viele andere Fahrer von der Tour durch ihre Teams ausschliesst, war ich zunächst ob der Tatsache der nun völlig unspannenden Tour de France traurig. Als ich aber die Begründungen las, kam mir letztlich die Galle hoch. Da wird von Menschen die selber Profi-Radsportler waren jemand suspendiert mit den Worten: „Wir hatten sogar schriftliche Erklärungen von den Profis vorliegen, dass Sie nicht gedopt haben und mit der Sache nichts zu tun haben“. Ja glauben diese Menschen denn wirklich daran, dass im Hochleistungs-Rennradsport jemand nicht gedopt ist? Haben diese Leute nicht selber gedopt, um Höchstleistungen zu erbringen? Wie kann ein Teil einer Kette Andere beschuldigen, wenn er selber das reißende Glied sein kann?

Ich bin überzeugt, dass sich selbst Rudolf Scharping als Präsident vom BDR (Bund Deutscher Radfahrer) bewusst ist, das Doping in diesen Bereichen unabdingbar ist und wenn er ehrlich ist, dann weis er, dass er die Menschen mit diesen Höchstleistungen braucht, um mehr Interesse an diesem Sport zu wecken.

Das ganze ist ein Rückschlag für den gesamten Radsport, aber auch generell für den Leistungssport. Kleine Teile eines Ganzen geraten in schlechtes Licht und verdunkeln den Blick auf die Höchstleistungen welche erbracht wurden – aber auch den Blick auf das gesamte Dunkel. Es wird vermutlich mittelfristig dazu führen, dass auch Semi-Profis und guten Hobbysportlern Leistungen mit Hinweis auf Doping nicht mehr voll von der Öffentlichkeit anerkannt werden. Damit sinkt bei einigen die Motivation sich über den Sport zu beweisen und hiermit sinkt die Zahl der Aktiven. Es bleiben geringere Chancen auf guten Nachwuchs und bessere Leistungen – die Sponsorengelder sinken und es beginnt ein Kreislauf nach unten. Wie anders kann man die simplen Worte von Rudolf Scharping deuten: „Ich bin einfach nur geschockt“.

Ich persönlich hoffe, dass man nun lernt offen mit dem Thema Doping umzugehen. Es dürfen sich nur nicht die verstecken, die selber beteiligt sind und waren. Es verlangt ja auch niemand ein Lob für die Höchstleistung von Dr. Fuentes, der es ja anscheinend geschafft hat, alle Gewinner der großen Radevents der letzten Jahre zu dopen. Aber eine ehrliche Aussage von allen Teams, Betreuern, Ärzten und Sponsoren dazu, dass Doping leider für die aktuellen Leistungen unabdingbar ist, würde zumindest einen Teil der Ehre retten, die Sportler wie ein Jan Ullrich verdient haben, da sie über Jahrzehnte einen Sport über ihre Vorbildfunktion symbolisiert haben und diesem damit geholfen haben an Bedeutung zu gewinnen.

Ich bin mir sicher, dass die Fahrer es nun bald richten werden und für eine Klarstellung sorgen werden – vielleicht noch während der Tour … Und trotzdem wird uns das Thema Doping im Radsport noch sehr lange verfolgen, denn es trifft viele Generationen von Sportlern.

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... ist zugleich Musikproduzent, Rennradsportler auf langen Distanzen, begeisterter Hobbykoch, Grill-Enthusiast und Familienvater. Er begeistert sich zudem für viele Dinge rund um Musik, Essen, Wein, Holzhaus- und Blockhausbau sowie Online Marketing und eCommerce.

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