race-24: Die 24 Stunden von Kelheim

Published On 25. Juli 2008 » 1522 Views» By Olaf » Rennen

An Kelheim 2008 werde ich mich sehr gerne zurückerinnern. Dafür gibt es viele Gründe.

Zwei Tage vor dem Start habe ich im Forum des Veranstalters eine Nachricht hinterlassen mit der Bitte an ein Team, mir ggf. ein wenig Platz bereitzustellen, damit ich – der ohne Support anreisen würde – meine Sachen dort unterstellen kann. Thomas meldete sich prompt und ich war mehr als zufrieden mit dem Angebot bei seinen Eltern zuhause gemeinsam mit seinem Kanuclub Kelheim Radteam die Garagen im Hof zu bevölkern und mit den Fans viel Spass zu haben. Die Familie und Freunde haben mich toll unterstützt, mich angefeuert, mir Nachts Verpflegung an der Strecke bereitgehalten und wir haben schnell Freundschaft geschlossen. Die Verpflegung tagsüber wurde wie so oft von Karen organisiert.

Ganz Kelheim ist bei dem Rennen auf den Beinen und bevölkert nicht nur die sehenswerte Altstadt. Schon am Vorabend haben wir in Riedenburg im Gasthaus zur Post eingecheckt und haben uns noch die ebenfalls sehenswerte Altstadt angeschaut. Überrascht hat das doch recht junge Publikum in dem Ort.

Da sich meine Parasiten noch immer nicht verkrochen haben und ich seit Garching drei Wochen lang nicht trainiert habe (vorher ja auch nicht), war von Kelheim nicht viel zu erwarten. Ich hatte ein lockeres Trainings geplant, um wenigstens in Schötz fit zu sein und meine Ziele teilweise zu erreichen, soweit es die Parasiten zulassen. Mein Ziel waren also maximal 25 Runden – damit ist in Kelheim trotz des sehr anspruchsvollen Kurses nicht viel zu erreichen, denn das Feld ist traditionell hochklassig besetzt mit Weltrekordlern, RAAM Veteranen, usw.

Im Vorfeld half die Kommunikation mit den 12-fachen Teilnehmern aus dem Kanuclub Team dabei die Strecke einzuschätzen. Ich entschied mich für das Kredo Rad und die XENTIS HighModulus Laufräder, da die Strecke anfangs bergig ist und im weiteren Verlauf dann aber eine Abfahrt und eine längere Flachpassage hat. Mit den XENTIS habe ich leichte Laufräder, die sehr aerodynamisch sind. Als Übersetzung hatte ich 52/38 bei 12-25 montiert.

Das andere Kredo habe ich mit dem Lightweight Laufradsatz nachtfertig gemacht, d.h. Lupine und Rücklichter montiert. Zum Glück habe ich hier 50/34 bei 11-28 (das Miche Ritzel) montiert – dies hat mir dann im weiteren Verlauf doch geholfen.

Das Wetter beim Start war hervorragend – leichte Wolken konnten die Sonne nur selten verschleiern. Los ging es mit hoher Geschwindigkeit – getrieben durch die 5-Mann Teams wurden die Anstiege im Flug genommen. Mit Puls 181 strafte ich die Parasiten ab und bekomme nun wohl ärztliche Ermahnungen. Die ersten 10 Runden hatte ich einen Pulsschnitt von 151, was deutlich zu hoch war, da ich laut den Ärzten ja auch Puls 140 begrenzen sollte (damit dürfte der Schnitt so bei Puls 135 liegen). Ich war selber sehr überrascht das ich nach 6:20 Stunden die 10 Runden inkl. Pinkel, etc. Päuschen absolviert hatte und somit einen 27 km/h Schnitt bei 38 Minuten pro Runde aufweisen konnte – trotzdem ich nie den Windschatten anderer Fahrer nutzte, da die Gruppenfahrer ohnehin schneller unterwegs waren.

Die ersten 10 Runden war ich quasi ohne Pause gefahren. Im Berg ging der Tacho immer auf 15 km/h zurück und ich bekam mit zunehmender Distanz immer mehr Probleme die 38 / 25 Übersetzung in den steilen Passagen flüssig zu treten. Um 20:30 Uhr bin ich dann auf das Nachtrad ohne weitere nenneswerte Pause umgestiegen (es war ja schon vorbereitet) – hier war ja vorne 50/34 und hinten dank der Berglaufräder von Lightweight und dem Ritzel von Miche ein 11-28er bei noch geringerem Gewicht montiert. So ging es mit geringerem Systemgewicht und besserer Übersetzung in die nächsten Runden.

Leider kam in Runde 14 der Regen und ich musste mich komplett umziehen. Auch waren somit die meisten der anfeuernden Zuschauer an der Strecke weg. Etliche Fahrer schienen auch zu pausieren, denn es wurde deutlich ruhiger auf der Strecke. Die Lightweight Ventoux und Obermayer waren im Regen gut zu fahren.

So ging es einsam durch die Nacht, denn die Teamfahrer flogen schnell an mir vorbei, die Zuschauer waren nur noch in der Altstadt (wo bis 2:30 Uhr immer noch Musik und Stimmung war) und an der höchsten Stelle am Berg.

Zwischen Runde 15 und 19 hatte ich arge Probleme mit der Nahrungsaufnahme und bin mangels Betreuung auch öfter kurz in die Box gefahren, um mich mit Brot, etc. zu versorgen. Mein Magen brauchte eine Grundlage, um die Gels zu verdauen. Die Probleme waren dann aber in Runde 19 behoben und es ging nun auch wieder schneller voran. Die anfänglichen Zeiten von 33 bis 40 Minuten pro Runde waren hierdurch in der Nacht auf 42 bis 50 Minuten plus einige kleinere Standzeiten gesunken.

Ich habe dann nach Runde 19 um 4:45 Uhr die Lichter und das Akkuset abgebaut. Zudem habe ich die nächtliche Warnweste ausgezogen. Das zwischenzeitlich montierte Schutzblech habe ich aber drangelassen, da es weiterhin leicht regnete und die Strasse noch nass waren. Um kurz nach 5:00 Uhr bin ich dann wieder auf die Strasse, da die Beleuchtungspflicht aufgehoben war.

Es ging nun bis 7 Uhr recht schwer voran – meine übliche Morgenträgheit hat mich auch diesmal nicht im Stich gelassen. Leider hatte ich in Runde 24 zudem einen Platten im Tufo 160er Schlauchreifen vorne auf dem Ventoux Laufrad. Dank Schwalbe DocBlue hielt die Luft noch und somit konnte ich die 6 km bis ins Ziel noch halbwegs flüssig fahren.

Ich wurde nun auch zunehmend fitter und wieder schneller. Die Runden lagen nun bis zum Ende bei um die 40-42 Minuten – ich konnte es trotzdem locker angehen lassen, denn das Ziel war erreicht und ich hatte daher noch viel Spass auf der Strecke mit Zuschauern.

In Runde 25 musste ich wieder einen Stop einlegen und den alten Trick anwenden: Voltaren in den Schritt – kurzer Schmerz und dann merkt man nix mehr vom Sitzproblem! Die lange Zeit ohne Training hat meine Sitzpunkte wieder vom Sattel entwöhnt – daher gab es hier einige Problemchen.

Nach 30 Runden und knapp 23:20 Stunden war ich dann im Ziel und habe auf eine letzte Runde verzichtet, die ich wohl – wenn überhaupt – nur noch knapp in 40 Minuten geschafft hätte.

Im Ziel habe ich dann mit netten Kollegen gesprochen und mich danach zur Brücke begeben um den Schlußspurt des Kanuclub Radteams zu erleben. Der erhoffte Platz in den Top 10 wurde erreicht – auch wenn man anfangs enttäuscht war, da man im Schlußspurt noch alle Chancen auf Platz 3 hatte. Es war eine Riesenleistung des Radteams!!!

Das Material war problemlos bis auf einige kleinere Schaltungsprobleme, die Ernährung mit dem Mix aus Carboo4u, Enervit, Frubiase Sport, Basica und Saft / Wasser klappte hervorragend bis auf die Runden 15 bis 19, wo ich keinen Bissen herunter bekam und folglich sehr langsam war.

Das Ergebnis war besser als erwartet, denn mit 30 Runden habe ich viele prominente Langstreckenspezialisten hinter mir gelassen. Platz 18 in dem hochkarätigen Feld sind für mich hervorragend – nicht auszudenken, was ohne meine Parasiten erreichbar gewesen wäre. Da ich zu keinem Zeitpunkt im gesamten Rennen mehr als eine Minute im Windschatten eines anderen Fahrers war, habe ich durchweg eine hohe Leistung treten müssen. Ich bin entsprechend hoch zufrieden mit meiner Leistung.

Meine Begeisterung riefen immer wieder die anderen Teilnehmer und deren Betreuer hervor, die mich mit Namen anfeuerten. Einen Gruss und Dank auch an Claudia, die am Berggipfel immer am rechten Strassenrand anfeuerte, an die andere Claudia knapp 40 Meter weiter auf der linken Seite, an Michael, Thorsten, Ingo, Hannes, Rainer, Uwe, Erwin, Holger, das Kanuclub Team (Thomas, Michael, Gerald, beide Christians, Claudia, Christine, etc.) mit Anhang. Eure Anfeuerung auf und an der Strecke hat sehr geholfen.

Auch die Zuschauer, die einen durch eine Gasse fahren ließen und sicherlich alle einige Tage heiser sein werden, sind herausragend.

Kelheim: Ich komme wieder – und hoffentlich dann austrainiert, ohne Parasiten und somit fit!

Ergebnis

30 Runden, 516 km in ca. 23:20 Stunden bei etwas über einer Stunde Standzeiten wegen regenbedingtem Kleider- und Radwechsel, Essensaufnahme, Laufradwechsel, usw. Platz 18 von 48 überwiegend hochkarätigen Einzelstartern. Eingesetzt wurden die beiden Kuoto Kredo Räder mit XENTIS HighModulus sowie Lightweight Ventoux/Obermayer Laufradsätzen.

Tags

About The Author


... ist zugleich Musikproduzent, Rennradsportler auf langen Distanzen, begeisterter Hobbykoch, Grill-Enthusiast und Familienvater. Er begeistert sich zudem für viele Dinge rund um Musik, Essen, Wein, Holzhaus- und Blockhausbau sowie Online Marketing und eCommerce.

Schreibe einen Kommentar